Redebeiträge der Gedenkveranstaltung am 7. Oktober 2025
Redebeitrag von der Vorsitzenden Elisabeth Paul
Sehr geehrte Anwesende,
auch ich möchte Sie ganz herzlich begrüßen zu unserer heutigen Gedenkfeier, inzwischen der zweiten, 2 Jahre nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023.
Dieser Tag wird, ja er muss in unsere Erinnerungskultur eingehen. Er darf nie vergessen werden!
Denn dieser Angriff war nicht nur ein Angriff auf Israel und die Menschen in den Kibbuzim und auf dem Nova-Festival, sondern er war ein Angriff auf alle Jüdinnen und Juden weltweit.
Er hat jüdische Menschen auf der ganzen Welt retraumatisiert.
Er hat den Traum von einer sicheren Heimstätte, einem sicheren Hafen, nach jahrtausendelanger Verfolgung, tief erschüttert.
Er war ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte antisemitischer Verfolgungen und Pogrome über Jahrtausende und er schließt unmittelbar an die Gräuel des Holocaust an, die fabrikmäßige Ermordung von 6 Millionen Jüdinnen und Juden.
Er schickte eine Botschaft in die Welt: „ihr werdet nie und nirgendwo sicher sein – Nie!“
Und diese Botschaft ist angekommen, sie wurde verstanden!
Der Holocaust, begann nicht in den Gaskammern und endete auch nicht dort, sondern er begann mit Wegsehen, mit sich nicht einmischen, mit Mitmachen, mit einer unfassbaren Solidaritäts- und Empathieverweigerung, mit Opportunismus und Feigheit.
Und ich stelle erschüttert fest, dass wir heute wieder genau dastehen.
Zu viele schauen weg, wenn Jüdinnen und Juden pauschal verurteilt werden und man sie verantwortlich macht für die Politik der israelischen Regierung.
Zu viele schauen weg, wenn Jüdinnen und Juden sich nicht trauen, eine Kippa oder einen Davidstern zu tragen oder Ivrit zu sprechen.
Zu wenige beziehen Position, wenn der antisemitische Hass auf unseren Straßen tobt und Jüdinnen und Juden offen bedroht werden.
Und dass solche Drohungen in die Tat umgesetzt werden, zeigt der jüngste Anschlag in Manchester in der vorigen Woche an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, dem Versöhnungsfest.
Seit einer Woche wagen wir es wieder, zu hoffen.
Trumps 20-Punkte-Plan erscheint überraschend vernünftig, ist wie ein Licht am Ende des Tunnels.
Er bezieht relevante Akteure, wie arabische Staaten und sogar die Türkei, mit ein und nimmt sie in die Pflicht.
Er sieht die Entwaffnung der Hamas und einen entmilitarisierten Gazastreifen und den Rückzug der israelischen Armee vor, den Wiederaufbau durch eine internationale Koalition und zeichnet so eine Zukunft, die sowohl die Sicherheit Israels, als auch die Bedürfnisse der Palästinenser*innen respektiert.
Anders als Trumps zynischer »Riviera-Plan« ist dieser Vorschlag fair, da er beiden Seiten gerecht wird und beiden Seiten etwas abverlangt und gerade deshalb ist er so hoffnungsvoll.
Und während die ganze Welt auf die Verhandlungen schaut und auf Versöhnung, Diplomatie, Deeskalation und Frieden setzt, tobt auf unseren Straßen - und nicht nur hier - der Hass, wird Antisemitismus in seiner reinsten Form propagiert, wird Israel die alleinige Schuld für das Leid der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreifen angelastet.
Unser Mitgefühl gilt auch den Menschen im Gazastreifen, die fürchterlich leiden. Auch wir wünschen uns ein Ende der katastrophalen Lage dort.
Doch sehen wir die Ursache für das Leid in dem fürchterlichen Massaker der Hamas und der Drohung, dies immer wieder zu wiederholen und in der Kriegsführung, die die eigene Bevölkerung in Geiselhaft nimmt und die Opferzahlen für ihre menschenverachtende Propaganda nutzt.
Die Menschen im Gazastreifen werden von klein an mit Hass gefüttert und sind politische Manövriermasse in ihrem erklärten Kampf gegen Israel und alles Jüdische.
Wir, die Deutsch-Israelische Gesellschaft Aachen e.V. sind solidarisch mit dem jüdischen Staat, unabhängig von der jeweiligen Regierung.
Wir hoffen mit der israelischen Demokratiebewegung auf die baldige Freilassung der Geiseln.
Wir hoffen, dass auf den Trümmern von Gaza ein friedlicher Staat aufgebaut werden kann, wie dies vor 83 Jahren in Deutschland geschah.
Letztlich hoffen wir, dass es irgendwann einen freiheitlichen, demokratischen palästinensischen Staat an der Seite Israels geben wird, der für Israel keine Bedrohung darstellt und eine gemeinsame friedliche Zukunft ermöglicht.
Redebeitrag zu den Geiseln von Karin Clemens (Mitglied der DIG Aachen)
Am frühen Morgen des 07. Oktobers, einem Samstag, einem Tag an dem das Leben in Israel ruht, rollte eine tödliche Welle der Gewalt über das Land in einem barbarischen Albtraum, den niemand jemals für möglich gehalten hätte. Die Terrorkommandos der islamistischen Hamas verübten grausame Gewaltakte; die Menschen wurden aus ihren Häusern gezerrt, aus ihren Schlafzimmern - sie wurden gefoltert, vergewaltigt, verschleppt und viele von ihnen ermordet.
Bei den Anschlägen kamen mehr als 1.200 Menschen ums Leben, darunter 800 Zivilisten. Über 4.800 Menschen wurden verletzt und mehr als 250 als Geiseln genommen. 48 von ihnen sind noch in der Gewalt der Terroristen, bei 20 von ihnen hoffen wir inständig, dass sie noch am Leben sind.
Diese nüchternen Zahlen und Fakten können nicht das Leid wiedergeben, das dahinter steht. Der 07. Oktober ist eine entsetzliche Zäsur in ein Leben davor und danach, verbunden für uns alle mit einem ekelerregenden aufflammenden Antisemitismus weltweit. Die Uhren laufen seither anders und es ist eine sehr, sehr schmerzhafte Zeit.
Um dem zu begegnen halten wir seit Mai 2024 eine wöchentliche Mahnwache, mittlerweile donnerstags um 17 Uhr, auf dem Münsterplatz hier in Aachen ab.
Dabei versuchen wir die Stimme dieser Geiseln zu sein, wir versuchen ihre Würde zu wahren und ihnen ein Gesicht zu geben; sie sind viel, viel mehr als nur Opfer der Hamas, Zahlen in einer Statistik oder Schachfiguren bei Verhandlungen - sie sind Väter, Brüder, Tochter, Familie, Ehepartner, Liebende, Freunde – kurz, sie sind Menschen. Menschen mit einer eigenen Geschichte, Menschen, denen am 07.10. ein grauenhaftes Unrecht angetan wurde. Zwei Jahre in Geiselhaft, zwei Jahre Hunger, Durst, Folter, Dunkelheit, schimmelige, stinkende Tunnel, unaufhörlicher Schmerz, Todesangst und dazu kommt die Verzweiflung der Angehörigen, die in einer Achterbahn der Gefühle aus Angst, Zorn, Wut, Liebe und Hoffnung sind.
Ich kann im Rahmen dieser Veranstaltung nicht all diesen Menschen gänzlich gerecht werden und so ausführlich über sie sprechen wie ich das gerne tun möchte, aber ich kann auch hier ihre Stimme sein. Ich stelle mir dabei die Frage wie die Welt aussehen würde, wenn die Menschen überall anstatt Hass gegen Juden zu verbreiten und Israel zu dämonisieren für die Freilassung der Geiseln und für Frieden demonstrieren würden?
Es ist mir schier unerträglich, dass diese Menschen immer noch nicht wieder daheim sind und dieses Unrecht immer noch besteht. Unsere Solidarität ist unverbrüchlich mit ihnen und ihren Angehörigen und ich sage jetzt und hier ihre Namen, fordere ihre Freilassung und das können und sollten wir alle tun – unablässig, so lange bis sie endlich wieder zu Hause sind; die Lebenden zur Heilung, die Toten um Ruhe in ihrer Heimat zu finden und den Angehörigen die Möglichkeit zu geben sie würdig zu bestatten und damit den Kreis zu schließen.
Ich zitiere Yael Adar, die Mutter der ermordeten deutsch-israelischen Geisel Tamir Adar: "Wir alle – alle Familien der Verschleppten sagen das – wir fühlen uns, als wäre es immer noch der 7. Oktober 2023, ein langer Tag." [1]
Ich hoffe so sehr, dass dieser unendlich lange Tag endlich ein Ende finden wird.
Zu den Namen der Menschen, die ich jetzt vorlese, nenne ich ihr Alter.
Ohne ihre Rückkehr kann es keine Genesung, keine Heilung, für Israel geben.
[1]
https://www.zeit.de/zeit-magazin/2025/41/geiseln-gazastreifen-deutsche-nahostkonflikt-angehoerige
Name u. aktuelles Alter der Geiseln
- Ariel Cunio (28)
- David Cunio (35)
- Alon Ohel (24)
- Eitan Horn (39)
- Avinatan Or (32)
- Elkana Bohbot (36)
- Evyatar David (24)
- Ziv Berman (28)
- Gali Berman (28)
- Eitan Mor (25)
- Maxim Herkin (37)
- Omri Miran (48)
- Bar Abraham Kupershtein (23)
- Guy Gilboa-Dalal (24)
- Nimrod Cohen (21)
- Matan Zangauker (25)
- Matan Angrest (22)
- Segev Kalfon (27)
- Rom Braslavski (21)
- Yosef-Haim Ohana (25)
- Bipin Joshi (24)
- Tamir Nimrodi (20)
- Itay Chen (19)
- Eliyahu Margalit (75)
- Eitan Levi (53)
- Sahar Baruch (24)
- Joshua Luito Mollel (21)
- Tal Haimi (41)
- Arie Zalmanowicz (85)
- Ran Gvili (24)
- Dror Or (48)
- Tamir Adar (38)
- Ronen Engel (54)
- Inbar Hayman (27)
- Guy Iluz (26)
- Asaf Hamami (41)
- Lior Rudaeff (61)
- Muhammad Al-Atarash (39)
- Meny Godard (73)
- Omer Neutra (21) au
- Yossi Sharabi (53)
- Daniel Oz (19)
- Daniel Perez (22)
- Uriel Baruch (35)
- Sontia Ok’Krasari (30)
- Sontisek Rintalk (43)
- Amiram Cooper (85)
- Hadar Goldin (23)




