Vorträge in Kooperation DIG Aachen / VHS Aachen / jüdische Gemeinde Aachen 2018 2. Halbjahr

Antisemitismus
Die Veranstaltungsreihe findet in Kooperation mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Aachen statt.

 Programm 2. Hälfte 2018

Vorträge
Israel – Syrien – Iran
Vortrag
Die aggressive Politik und die Vernichtungsfantasien der iranischen Ayatollahs gegen Israel sind ohne den genozidalen Antisemitismus (Bassam Tibi), den sie in geradezu schamloser Weise vor aller Welt zelebrieren, nicht zu verstehen. Der religiöse Hass, den einzuordnen hierzulande offensichtlich vielen schwerfällt, spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle in der ohnehin komplexen machtpolitischen Interessenlage.
Thomas von der Osten-Sacken (*1968) ist ein deutscher Journalist und freier Publizist, der sich seit Anfang der 1990er Jahre schwerpunktmäßig mit dem Nahen Osten beschäftigt.
Von der Osten-Sacken ist langjähriger Autor der Zeitschrift Konkret, wo er zwischen 2001 und 2009 über die Themen Israel, Palästina und Nahost sowie in der Reihe konkret texte publizierte. Seitdem berichtet er für die Wochenzeitung Jungle World sowie für die Welt über die neuere politische Entwicklung in Nordafrika und Nahost. Außerdem schreibt er für den Perlentaucher, für The European und das Online-Nachrichtenportal haOlam. Eine Tätigkeit als Geschäftsführer der im Nahen Osten, insbesondere im Irak tätigen Hilfsorganisation Wadi e. V., Verband für Krisenhilfe und solidarische Entwicklungszusammenarbeit, schloss sich an.
Thomas von der Osten-Sacken 182-01011
Donnerstag, 18. Oktober 2018, 19–20.30 Uhr kein Entgelt
VHS, Peterstraße 21–25, Forum

Eine unerwiderte Liebe – Über das mögliche Ende der deutsch-jüdischen Beziehung
Vortrag
Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter sagte einst im Gespräch mit Henryk M. Broder (in dessen Film Der ewige Antisemit): „Mein Gott, was haben unsere Ahnen, unsere Eltern, das Europa geliebt, das bürgerliche Ideal. Es hat wenige Gruppe gegeben, die das mit so viel Hingabe umarmt haben. Als im frühen 19. Jahrhundert im Ghetto die Türen geöffnet wurden, wie besessensie waren, wie so unglaublich hungrig. Wir erleben jetzt die letzte Phase der jüdischen Existenz in Europa. Es hat angefangen in den dreißiger Jahren. Es war eine eigentlich nie beantwortete Liebe. Ich denke in vierzig, fünfzig Jahren gibt es eigentlich keine Juden mehr in Europa.“
Gerd Buurmann nimmt diese Worte von Leon de Winter sehr ernst. In seinem Vortrag wird der in Köln lebende Autor, Schauspieler, Moderator und Regisseur, der nicht zuletzt mit seinem Blog Tapfer im Nirgendwo eine enorme Resonanz erzielt, zeigen, dass diese Worte berechtigt sind und woher sie kommen.
Gerd Buurmann 182-01012
Dienstag, 6. November 2018, 19–20.30 Uhr • kein Entgelt
VHS, Peterstraße 21–25, Forum

Synagogen in Aachen …
1862 – 1957 – 1995

Vortrag im Gemeindesaal der Jüdischen Gemeindeimage
Zwei Orte sind für den Aufbau und den Bestand einer jüdischen Gemeinde von immenser Wichtigkeit. Der Friedhof als ewige Ruhestätte und Ort der Erinnerung und die Synagoge für die Gottesdienste und das Gemeindeleben.
In Aachen lassen sich Gebetssäle seit dem frühen 19. Jahrhundert nachweisen: zuerst am Hirschgraben, später am Synagogenplatz und in der Oppenhoffallee. Alle Bauten waren Ausdruck ihrer Entstehungszeit: prachtvoll-orientalisch im 19. Jahrhundert und dezent-modern in der Mitte der 1950er Jahre. Der seit 1995 genutzte Neubau berücksichtigt die Traditionen der jüdischen Religion genauso wie heutige Erfordernisse. Obwohl er mitten in der Stadt gelegen ist, dürften die meisten Aachenerinnen und Aachener nur wenig mehr als die Fassade kennen.
Dr. Holger A. Dux 182-04057
Dienstag, 27. November 2018, 19–20.30 Uhr • kein Entgelt
Gemeindesaal der Jüdischen Gemeinde Aachen, Synagogenplatz
• Einlass nur nach Anmeldung bei der Volkshochschule
Aachen bis spätestens 26. November 2018!
Aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen kann es beim Einlass zu Wartezeiten kommen. Sie werden deshalb gebeten, frühzeitig zu erscheinen und Ihren Personalausweis bereitzuhalten.
Bitte führen Sie keine größeren Taschen oder Rucksäcke mit sich!

 

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Arye Sharuz Shalicar auf einer Veranstaltung der Böll-Stiftung. Foto Stephan Röhl.

Der neu-deutsche Antisemit: Gehören Juden heute zu Deutschland? Eine persönliche Analyse
Lesung von Arye Sharuz Shalicar
Gerade einmal drei Generationen sind seit der Shoah vergangen. Deutschland hat aus der Vergangenheit gelernt und stellt sich seiner Verantwortung für ein „Nie wieder“. Ist es wirklich so?
Arye Sharuz Shalicar trifft in seinem Beruf deutsche Spitzenpolitiker, Vertreter von NGOs, Journalisten, Polizisten, Bundeswehrsoldaten, Akademiker und christliche Pilgergruppen. Nach unzähligen Gesprächen und Begegnungen gelangt er zu der bitteren Erkenntnis: Antisemitismus ist in Deutschland, nicht selten getarnt als „Israel-Kritik“, weiterhin tief verwurzelt. „Neu-deutsche“ Antisemiten treten ihm unverhohlen und massenhaft in seinem Blog entgegen. Ihre Kommentare lassen keinen Zweifel daran: Juden gehören heute nicht selbstverständlich zu Deutschland.
Insofern hat sich für Shalicar nicht viel geändert, seit der in Göttingen geborene Sohn persisch-jüdischer Eltern mit 13 Jahren nach Berlin-Wedding kam, wo er monatelang von muslimischen Jugendlichen antisemitisch angegriffen wurde, bis er es schaffte, sich in ihre Parallelwelt zu integrieren und Teil der muslimischen Jugendbandenszene Berlins zu werden.
Nach Abitur und Wehrdienst wanderte er 2001 nach Israel aus, „um als Jude sicher leben zu können“. Er absolvierte seinen Pflichtdienst in der israelischen Armee und trat nach dem Studium der Internationalen Beziehungen, Nahost- sowie Europastudien an der Hebrew University Jerusalem (mit Auszeichnung) und einer Zeit im ARD-Studio Tel Aviv erneut in die Armee ein, wo er von 2009 bis 2016 als offizieller Sprecher bis in den Rang eines Majors aufstieg. Seit Anfang 2017 ist Shalicar Direktor für Auswärtige Angelegenheiten im Ministerium für Nachrichtendienste im Büro des israelischen Ministerpräsidenten.
Termin wird kurzfristig bekanntgegeben: www.vhs-aachen.de

Auserwählt und ausgegrenzt
– Der Hass auf Juden in Europa
Dokumentarfilm
90 Minuten, FSK 12 Deutschland, 2017
Buch und Regie: Joachim Schroeder, Sophie Hafner
Der Dokumentarfilm behandelt den aktuellen Antisemitismus vor allem in Deutschland, Frankreich und den Palästinensischen Autonomiegebieten. 2017 entspann sich um die Weigerung der Auftraggeber, des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte und des WDR, den Film auszustrahlen, eine heftige öffentliche Debatte, in die auch namhafte Wissenschaftlerund verschiedene jüdische Organisationen eingriffen und die Ausstrahlung verlangten.
Als Gründe für die Ablehnung der Ausstrahlung gaben Arte und WDR Abweichungen vom verabredeten Sendekonzept und Qualitätsmängel an, was allerdings für viele Beobachter vorgeschoben wirkte, nicht zuletzt weil der Film gleichzeitig hoch gelobt wurde, etwa von Götz Aly, Michael Wolffsohn, Ahmad Mansour und anderen Antisemitismusforschern.
Nachdem Bild.de den Film einen Tag lang online gestellt hatte
(200 000 Aufrufe) mit der Begründung, es sei eine „historische Verantwortung“, den geschilderten gesellschaftlichen Zuständen mit der Veröffentlichung „entgegenzutreten“, strahlten Arte und Das Erste (für den WDR) den Film schließlich doch aus; sie versahen ihn allerdings mit Kommentaren und einem „Faktencheck“, denen wiederum international Einseitigkeit und Desinformation vorgeworfen wurde.
Es besteht die Möglichkeit, im Anschluss an die Vorführung mit den Filmemachern Joachim Schroeder und Sophie Hafner zu diskutieren, die für diesen Abend extra nach Aachen kommen.
Montag, 29. Oktober 2018, 20.15 Uhr, Eintritt 6,– €
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Der ewige Antisemit
Dokumentarfilm

120 Minuten Deutschland, 2017
Buch und Regie: Henryk M. Broder, Joachim Schroeder
Henryk M. Broders Der ewige Antisemitwar
eines der kontroversesten
Bücher der 80er Jahre – aufgrund einer einstweiligenVerfügung
wurde es kurzzeitig aus den Buchhandlungen genommen.
Es löste heftige Reaktionen aus, weil es nicht den klassischen
Antisemitismus der judenfeindlichen Rechten beschrieb, sondern
den Antizionismus im linken und fortschrittlichen Milieu enttarnte.
Heute, mehr als 30 Jahre später, ist auch die Neuauflage von 2005
längst vergriffen. Antisemitismus und Antizionismus haben nichts
von ihrer Virulenz verloren, im Gegenteil, sie haben sich von den
Rändern der Gesellschaft zur Mitte hin verlagert und verbünden
sich häufig mit dem muslimischen Antisemitismus, den sie notorisch
verharmlosen oder bestreiten, ein Phänomen, das vor allem
auf Seiten der politischen „Linken“ verbreitet ist.
Es war also längst höchste Zeit für eine filmische Analyse des
ewigen Antisemiten und so entstand dieses Road-Movie, in dem
Broder, Leon de Winter, Hamed Abdel-Samad und ihr chauffierender
Produzent Joe Schroeder in wechselnden Konstellationen
nach Dresden, Paris, Naumburg, Hildesheim, München und Malmö
fahren, um herauszufinden, was die Ereignisse der letzten Jahre
für die Juden, die noch in Europa leben, bedeuten.
Montag, 19. November 2018, 20.15 Uhr, Eintritt 6,– €
Schroeders aktueller Spielfilm Kill Me Today. Tomorrow I’m Sick!,
eine „schockierende schwarze Komödie“ (Abdel-Samad), ein großartig
umgesetztes Spiel „zwischen Drama, Gewalt, Humor und
Politik“ (Dominik Graf), gewann gerade den Silver Zenith auf dem
Montréal World Film Festival.

Es geschah in Aachen …
Aufbau. Zerstörung. Neubeginn.
Ausstellung zum 80. Gedenktag der Synagogenbrandstiftung
Ausstellung
Wenn auch Menschen jüdischen Glaubens seit der Zeit Karls des Großen in Aachen lebten, erreichten sie ihre rechtliche Gleichstellung erst im 19. Jahrhundert. 1862 errichtete die Jüdische Gemeinde ihre Synagoge am Promenadenplatz. Auch wenn es
damals schon vereinzelt Antisemitismus gab, lebten die jüdischen und christlichen Aachener in guter Nachbarschaft. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 änderte sich die Lage der jüdischen Bevölkerung von Grund auf. Der Antisemitismus wurde nun von staatlicher Seite betrieben. Ausgrenzung und Entrechtung folgten.
1938 erreichte diese Politik in der Pogromnacht vom 9./10. Novembereinen Höhepunkt. Überall in Deutschland wurden mehr als 1 400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe
zerstört. Etwa 400 Menschen wurden ermordet oder in den Suizid getrieben, Zehntausende wurden verhaftet und in Konzentrationslager deportiert. Auch die Aachener Synagoge wurde in Brand gesetzt und in der Folge abgerissen. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wählten Juden Aachen wieder als ihr Zuhause. 1956 errichteten sie in der Oppenhoffallee eine Synagoge. 1995 schließlich entstand am Promenadenplatz,
an derselben Stelle, wo die erste Synagoge zerstört worden war, ein neues repräsentatives Gotteshaus.Die Ausstellung dokumentiert an Hand von Bildern, Dokumenten und Texten schwerpunktmäßig die Ereignisse um die Brandstiftung
und Zerstörung der Aachener Synagoge in der Pogromnacht vom 9. November 1938. Sie geht darüber hinaus auf die Entwicklung des nazistischen Antisemitismus vom „Boykott-Tag” 1933 bis zu den letzten Deportationen aus Aachen in die Vernichtungslager 1944 ein. Neben einem Rückblick auf die Zeit vor der NS-Diktatur endet sie mit einer Dokumentation der Zeit nach 1945. Die Ausstellung wurde zusammen mit Schülerinnen des St. Ursula
Gymnasiums Aachen und dem Förderverein Wege gegen das Vergessen erarbeitet und ist eine Kooperation mit der Stadtbibliothek Aachen, der Jüdischen Gemeinde Aachen und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Aachen.
9. Oktober bis 1. Dezember 2018 182-04022
Eröffnung am Dienstag, 9. Oktober 2018, 15.45 Uhr
Stadtbiliothek Aachen, Couvenstraße 15

Spuren jüdischen Lebens in Aachen
Rundgang
Mira Huppertz 182-04065
Sonntag, 28. Oktober 2018, 14–15.30 Uhr • 6,–/5,– €
Treffpunkt: Synagogenplatz, am Denkmal
Anmeldung bitte bis 22. Oktober 2018

– Geschichte ausgewählter jüdischer Tuchfabrikantenfamilien Aachens
Vortrag
Andreas Lorenz 182-04062
Donnerstag, 17. Januar 2018, 19–21 Uhr • kein Entgelt
VHS, Peterstraße 21–25, Raum 214