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10 gute Entgegnungen
auf 10 dämliche Phrasen
von
Claudio Casula
„Wenn der israelischarabische Konflikt
gelöst ist, herrscht Ruhe im Nahen Osten“
Reines Wunschdenken. Die Muslimbruderschaft und damit der politische Islam mit seinem dschihadistischen Programm ist älter als der Nahost-Konflikt, und wenn Bin Ladens Al-Qaida in New York und Washington Wolkenkratzer und ein Ministerium angreift, wenn in Pakistan, Indien, Afghanistan, Irak, Marokko, Ägypten, Indonesien, Jemen und anderen Ländern Islamisten blutige Anschläge verüben, hat das mit Israel und dem, was es tut oder unterlässt, nichts, aber auch gar nichts zu tun. Ebensowenig der Westsaharakonflikt, der Völkermord im Sudan, der Krieg Ägyptens im Jemen Mitte der 60er-Jahre, der Bürgerkrieg in Libanon ab Mitte der 70er-Jahre, der Machtkampf zwischen PLO und Jordaniens König Hussein, der Krieg Iraks gegen Iran, gegen die Kurden, gegen Kuweit, der Krieg in Afghanistan et cetera et cetera. Die Region ist, wie sie ist, und das liegt ganz sicher nicht an einem 20.000-Quadratkilometer-Staat, der sich dort seit 60 Jahren seiner Haut erwehren muss. Ein ganz schlechter Witz ist das.
„Israel will doch gar keinen Frieden“
Bullshit. Israel will einen
echten Frieden und keinen Waffenstillstand nach den Vorstellungen arabischer
Gewaltherrscher. Schon in der Unabhängigkeitserklärung war ein Friedensangebot
an die arabischen Staaten enthalten (beantwortet wurde es mit dem Angriff von
Armeen aus fünf arabischen Staaten am Tag nach der Staatsgründung). Israel hat
nach dem Sechstagekrieg die Rückgabe der Gebiete (Ausnahme: Jerusalem)
offeriert – beantwortet wurde dies mit den drei
Neins von Karthoum. Israel hat mit Ägypten Frieden geschlossen (den Sinai geräumt),
und mit Jordanien, und es hat auch mit den Palästinensern in Oslo das Prinzip
„Land für Frieden“ vereinbart. Beantwortet wurden die Rückzüge aus Gaza und
Jericho wie aus den großen Städten der Westbank mit einer bis dahin nicht
erlebten Terrorwelle. Der Rückzug aus dem Südlibanon und der Rückzug aus dem Gazastreifen
inkl. Evakuierung aller 7000 Siedler hatte jeweils einen Raketenhagel auf
Ortschaften innerhalb Israels zur Folge. Nur ein Narr kann glauben, dass ein
Rückzug aus dem gesamten Westjordanland und Jerusalem Frieden bringen wird.
Israel ist ein kleines Land mit einer Bürgerarmee, für
jeden einzelnen Soldaten, der im Kampf fällt, müssen sich die Regierenden rechtfertigen.
Der Militärhaushalt verschlingt riesige Summen, die dringend woanders gebraucht
werden, etwa bei der Integration von Neueinwanderern. Gleichwohl muss das Land
wehrhaft bleiben, so lange es in einer derart rohen Umgebung exisitiert. Israel
hat nicht Dänemark, Holland und die Schweiz als Nachbarn, sondern Länder wie Libanon
und Syrien, etwas weiter entfernt Irak und Iran.
Kompromissbereitschaft wird im Orient gern als Zeichen
von Schwäche gedeutet – dies erklärt, warum der Terror und der Hass ausgerechnet
seit den Friedensabkommen von Oslo schlimmer geworden sind denn je. Jeder, der
mit seiner europäischen Denke an den Nahost-Konflikt herangeht, hat schon
verloren. „Ich bin okay, du bist okay“ – das mag, wenn überhaupt, in Helsinki
oder in Bern funktionieren, in Gesellschaften, die von Despoten und Terroristen
beherrscht werden, funktioniert es nicht.
Israel ist bereit, für den Frieden Opfer zu bringen,
hat bereits welche gebracht: Gebiete geräumt, Siedlungen abgebaut.
Dafür hat es nur noch mehr Terror erhalten, da beißt
die Maus keinen Faden ab. Deshalb ist die israelische Friedensbewegung, die in
guten Zeiten Hunderttausende mobilisieren konnte, heute bedeutungslos: Man hat
realisiert, dass es so nicht weitergehen kann, dass man (noch) keinen Partner
für den Frieden hat. Den Platz von „Shalom achshav“ haben inzwischen obskure
Grüppchen eingenommen, die wider besseres Wissen und wider alle Erfahrung
behaupten, der Friede scheitere nicht am palästinensischen Terror. Es sind dies
die immer gleichen Individuen, die sich aus den Frauen in Schwarz, Machsom Watch, Betselem, Avnerys Gush Shalom etc.
rekrutieren. In der sehr heterogenen und streitlustigen israelischen
Gesellschaft führen sie zu Recht eine Randexistenz, werden lediglich von dem
einen oder anderen Ha´aretz-Feuilletonredakteur wahrgenommen. Gehör finden sie
nur bei denen, die das hören wollen, was sie sagen.
Wie sieht es auf der anderen Seite aus? Es gibt keine
palästinensische Friedensbewegung und es hat nie eine gegeben. Eine Person des öffentlichen
Lebens, die erklärte, der Frieden scheitere an den Palästinensern, würde als
Verräter und Kollaborateur gebrandmarkt und wäre ihres Lebens fortan nicht mehr
sicher. Jahrzehntelang haben die Palästinenser von ihrer Führung gehört, dass
“unveräußerliche Rechte” nicht aufgegeben werden, Kompromisse sind also tabu.
Wer sich so weit aus dem Fenster lehnt, kann nicht mehr zurück, in dieser selbstgebauten
Falle stecken alle Palästinenserführer bis heute. 100 Prozent Westbank &
Gaza plus Jerusalem und „Rückkehrrecht“ (nach Israel!) für alle Palästinenser,
die vor 60 Jahren flüchteten – und für ihre Kinder und Enkel und Urenkel.
Darunter machen sie es nicht, und daran wird eine Friedenslösung bis auf
weiteres scheitern. Vor die Wahl gestellt, einen Staat auf dem Gebiet Gazas und
97 Prozent Westbank zu bekommen, Milliardenhilfen aus dem Ausland, die Aussicht
auf eine friedliche und lebenswerte Zukunft für kommende Generationen – oder
dem Beharren auf den Maximalforderungen mit der Folge, weiter mit leeren Händen
dazustehen, hat sich die Palästinenserführung noch immer für die zweite Option
entschieden. Die Tatsache, dass heute ein allgemein als „Hardliner“ verrufener Likud-Ministerpräsident
den israelischen Konsens verkörpert, der – vorausgesetzt, die Sicherheit ist
gewährleistet – die Schaffung eines Palästinenserstaates akzeptiert und der
trotzdem bei der bockbeinigen Palästinenserführung auf Granit beißt, sollte zu
denken geben.
Fazit: Es ist die
Palästinenserführung, die keine endgültigen Verhandlungen will – weil sie nicht
bereit ist, Kompromisse zu machen, weil sie, nicht nur heimlich, von der
Fortführung des Konflikts auch nach der Staatsgründung träumt, weil sie mit dem
Status Quo gut leben kann (sie ist versorgt und kann sich trotzdem wort- und
gestenreich beschweren) und weil sie sich vor dem Tag fürchtet, an dem sie
selbst die Müllabfuhr organisieren muss. So ist das bei Revoluzzern.
„Der palästinensische ,Terror´ ist legitimer Widerstand“
Horseshit. Terror hat keine
Legitimation, und der besonders brutale palästinensische Terror schon gar
nicht. Er zielt zuvörderst auf Zivilisten in Israel (in Linien- und
Schulbussen, Kindergärten, Schulen, Cafes, Einkaufszentren), aber auch auf
Juden im Ausland (Massaker in Synagogen in Wien und Istanbul, Flughafen Rom
etc.). Durch die Auswahl seiner Opfer versucht der Terrorismus, ob nun verübt
von Hamas oder Fatah-Ablegern, Angst und Schrecken zu verbreiten. Da Anschläge
auf Juden seit 90 Jahren stattfinden, hat sich diese brutale Methode bis heute
offensichtlich nicht ausgezahlt, es sei denn, der Mord an Holocaust-Überlebenden
während einer Pessach-Feier oder an Jeschiwa-Schülern in der Bibliothek oder an
Studenten in der Uni- Cafeteria oder an zwei Jungen beim Spielen in Tekoah wird
an sich bereits als gutes Werk betrachtet. Dass die Palästinenserführung bis heute
daran festhält, spricht für die zweite These. Als strategisches Mittel oder als
Fortführung der Politik mit anderen Mitteln macht er keinen Sinn, denn je
brutaler der Terror ist, desto schlechter stehen die Palästinenser am Ende da.
Über die moralische Verwerflichkeit eines Mordes an einem Säugling im
Kinderwagen (Shalhevet Paz) oder an einer Schwangeren (Tali Hatu´el) und ihren
vier kleinen Töchtern muss wohl nicht diskutiert werden.
Dass der palästinensische Terror ausgerechnet während
des „Friedensprozesses“ eskalierte, an Intensität wie an Grausamkeit, spricht
Bände. Wenn es Grund zur Hoffnung gibt, kann Verzweiflung erst recht nicht als
Motiv herhalten. Tatsächlich ist es so, dass etwa Selbstmordattentäter immer
(!) von einer der verschiedenen Terrororganisationen angeworben, bewaffnet und
zum Tatort geschickt
werden. Am Vorabend
des Massenmordes nehmen sie nicht selten eine Videobotschaft auf, in der sie
verkünden, wie stolz sie sind, als Märtyrer ins Paradies eingehen zu dürfen.
Nach der Tat erklärt die Familie, wie stolz sie auf den toten Sohn, zuweilen
auch die Tochter ist, und der Mörder erlangt Heldenstatus. Kinder tauschen Sammelbildchen
mit dem Konterfei des Mörders, und wenn er besonders viele Juden umgebracht
hat, wird auch schon mal eine Straße nach ihm benannt.
„Die Mauer ist ein Hindernis für den Frieden“
Quatsch. Der israelische Grenzwall ist zuallererst ein
Hindernis für Terroristen. Sinn und Zweck der Anlage ist es, das Einsickern von
Terroristen aus der Westbank nach Israel proper zu unterbinden,
und diesen Zweck erfüllt sie: Es gelingt keinem Selbstmordattentäter mehr, sich
in Netanya, Chadera oder Tel Aviv in die Luft zu sprengen. Das ist die
Hauptsache. Dass der Hightech-Limes mancherorts Unbill für palästinensische
Anrainer mit sich bringt (Einzelfälle werden von Feinden Israels gern als pars
pro toto angeprangert), ist bedauerlich, aber das menschliche Leben hat Vorrang
vor dem Recht, eine Strecke von A nach B in soundsoviel Minuten zurücklegen zu
können. Auch ästhetische Bedenken müssen hier zurücktreten. Von einer „Apartheidmauer“
kann keine Rede sein, schon weil 1,4 Millionen Araber diesseits der Anlage
leben, und was die Absicht, Selbstmordattentäter aus den eigenen Städten
fernzuhalten, mit Apartheid zu tun haben soll, bleibt das Geheimnis der antizionistischen
Schreihälse. Die schon einmal gehörte Behauptung, die Mauer solle verhindern,
dass man sieht, was sich dahinter tut, ist genauso purer Nonsens. Es klingt
auch nicht gerade logisch, wenn „Stop the Wall“-Aktivisten verbreiten, die
Anlage diene dem „Landraub“, im Gegenteil darf man davon ausgehen, dass Israel,
das schließlich einmal die ganze Westbank verwaltete, alles Land jenseits des
Grenzwalls bereits abgeschrieben hat. Und das ist nicht wenig, denn mit drei
Ausnahmen reicht der Zaun nirgendwo mehr als ein, zwei Kilometer in die
Westbank hinein und verläuft eben nicht „mitten
durch“. Der Verlauf wird in erster Linie von Sicherheitsaspekten bestimmt,
gibt aber auch mehr oder weniger den künftigen Grenzverlauf zwischen Israel und
dem prospektiven Palästinenserstaat vor, was also auch auf der Gegenseite
positiv registriert werden könnte, es sei denn, man will dort überhaupt keine
Grenze, weil man immer noch nach Haifa, Yafo und Ramle schielt.Zuletzt: In
Stücke gebombte Menschen bleiben tot, während der Verlauf einer Sperranlage,
wie bereits mehrmals geschehen, geändert werden kann – und wie sich sogar
prinzipiell die ganze Anlage wieder abbauen lässt. Den Zaun wird es aber so
lange geben, wie die Gründe, die zu seinem Bau geführt haben, nicht aus der
Welt geschafft sind.
„Die Siedlungsfrage ist der Kern des Nahostproblems“
Blödsinn. Wer so etwas behauptet, hat keine Ahnung
davon, dass die arabische Ablehnung eines jüdischen Staates der Kern des
Nahost- Konflikts ist – bis heute. Frieden gab es nicht vor der Staatsgründung,
und es gab ihn nicht zwischen 1948 und 1967 – als Ägypten den Gazastreifen
besetzt hielt und Jordanien die Westbank, und in diesen Gebieten kein einziger
Jude lebte. Wenn das Wort von der „ethnischen Säuberung“ jemals auf den Nahen
Osten zutraf, dann auf die Vertreibung sämtlicher Israelis aus Gebieten, die
von Arabern besetzt wurden – die Altstadt von Jerusalem eingeschlossen.
(Neu-)Gründungen von Siedlungen entstanden erst Ende der 60er- Jahre,
als ohnehin keine Aussicht auf Frieden bestand und man sich in Israel auf eine
dauerhafte Präsenz in den eroberten Gebieten einzurichten begann. Die meisten
dieser Siedlungen hatten vor allem strategische Bedeutung, ideologische Gründe
spielten zunächst keine Rolle, obwohl es sich bei Judäa und Samaria um das
biblische Kernland handelt (wie der Siedleraktivist Elyakim Haetzni es ausdrückte:
„Tel Aviv, das ist die Küstenebene, das Land der Philister“).
Später
wurde der Siedlungsbau in oder bei Städten wie Hebron (wo bereits seit jeher
eine jüdische Gemeinde existierte und noch vor der Staatsgründung, 1929, Opfer
eines Pogroms wurde) oder Schchem/Nablus forciert und vor allem von der
Likud-Regierung gefördert. Ob der Siedlungsbau legitim ist oder nicht, darüber
gehen die Meinungen auseinander (manche argumentieren mit einem gewissen Recht,
dass es sich völkerrechtlich um „umstrittene Gebiete“ handelt, da sie zuvor
Mandatsgebiet bzw. später von Jordanien besetzt und völkerrechtswidrig
annektiert worden waren), ob er politisch klug war, ist wieder eine andere
Frage. Der Grund für den Nahostkonflikt ist er nicht. Es gab den
Terror und die arabische Ablehnung Israels vor, während und nach dem Bau von
jüdischen Kommunen. Und selbst der Abbruch derselben, wie Anfang der 80er- Jahre
in Yamit/Sinai und 2005 im Gazastreifen, hindert palästinensische Fanatiker
nicht daran, Raketen auf israelische Städte abzufeuern. Es geht ihnen nicht um
die Siedlungen, es geht ihnen um Israel, ob dort gerade die Arbeitspartei
regiert oder der Likud oder Kadima ist ihnen schnurz. Für sie ist auch Tel Aviv
eine „illegale Siedlung“. Die palästinensische Führung, die derzeit alle
Verhandlungen ablehnt, hat natürlich ein Interesse daran, die Siedlungsfrage
zum Knackpunkt zu machen – so hat sie eine billige Entschuldigung für ihre Verweigerungshaltung.
Sie besteht darauf, dass sämtliche israelischen Kommunen in der Westbank
geräumt werden, will also jegliche jüdische Präsenz dort ausmerzen – im Sinne
der bereits erwähnten ethnischen Säuberung, die schon einmal praktiziert wurde.
Dies wird nicht geschehen. Der Großteil der Siedler (80 Prozent) lebt in drei, vier
großen Siedlungsblöcken, die Israel nicht aufgeben wird, für die es gleichwohl
einen land swap einzugehen bereit ist. Das Territorium, das
dann annektiert werden müsste, macht nur etwa drei, vier Prozent der Westbank
aus. Mit etwas gutem Willen ließe sich hier eine Lösung finden. Der aber ist
auf palästinensischer Seite auch im Jahr 16 nach Aufnahme des
„Friedensprozesses“ beim besten Willen nicht zu erkennen.
„Man muss mit der Hamas reden“
Nö. Mit einer von allen ernst zu nehmenden
Staaten als Terrororganisation betrachteten Bande muss man genauso wenig reden
wie mit der NPD. Worüber auch? Die Hamas macht aus ihrem antisemitischen
Programm (siehe Charta) keinen Hehl, und wer behauptet, es gäbe etwas mit ihr
zu bereden, der sollte auch sagen, was. Etwa die Modalitäten einer Auflösung
Israels? Das Argument, die Hamas habe eben einen „militärischen Flügel“, sei
aber auch politisch und karitativ tätig, zieht nicht. Die Nazis stützten ihre
Macht auf SA, SS und Wehrmacht, und nebenbei veranstalteten sie auch hübsche Zeltlager
für die Jugend und KdF-Fahrten für gestresste Volksgenossen, aber
verbrecherisch blieben sie trotzdem. Wer die islamofaschistische Hamas als
Wohltätigkeitsverein mit angeschlossener Jagdsportabteilung verharmlost, ist
nur darauf aus, ihr unverdiente Legitimität zu verschaffen. Die aber nützt
niemandem außer den bärtigen Gotteskriegern selbst, die ihrerseits ihre Daseinsberechtigung
aus dem Kampf gegen Israel herleiten, was schon ihr Name belegt, und deshalb
haben sie in einem „Friedensprozess“ soviel zu suchen wie ein Kinderschänder im
Hort. Wer dem Nahen Osten etwas Gutes tun will, boykottiert die Hamas (am
besten: zieht sie aus dem Verkehr); wer sie hoffähig machen will, ist an der Fortführung
des Konflikts bis zum St. Nimmerleinstag interessiert, soviel ist sicher.
„In der UNO ist Israel isoliert, nur Amerika hält seine schützende Hand über das Land“
Stimmt. Das spricht aber nicht gegen Amerika, sondern
gegen die Vereinten Nationen, eine Organisation, die, unfähig und korrupt, längst
von Ländern dominiert wird, die mit der UN-Charta nichts am Hut haben und
Völkermördern, Diktatoren und Operettenpräsidenten jederzeit eine Bühne bietet,
die selbst ihren Menschenrechtsrat von Schurkenstaaten aus allzu durchsichtigen
Gründen zweckentfremden lässt – nämlich um von den eigenen
Menschenrechtsverletzungen abzulenken. Klassenkeile bezieht dann eben der
Streber mit der Brille: Israel, der Jude unter den Völkern. Für eine Resolution
gegen Israel findet sich in der Vollversammlung immer eine Mehrheit, und Entwürfe,
in denen der jüdische Staat für seine Reaktion auf Angriffe etwa durch
Hisbollah oder Hamas verurteilt wird, ohne dass diese Aggressionen überhaupt
erwähnt werden, würden tatsächlich durchgewinkt, wenn nicht die USA den Mumm
hätten, dieser Farce im Weltsicherheitsrat regelmäßig ein Ende zu bereiten.
England und Frankreich sind meist zu feige dazu, Russland und China haben noch weniger
Berechtigung als die meisten anderen UN-Mitgliedsstaaten, sich zum Richter über
Israel aufzuschwingen. Mit Moral hat das alles nichts zu tun, die UN sind die
Summe ihrer Mitgliedsstaaten, nicht mehr und nicht weniger, und die sind selten
genug demokratisch.
Wenn sich Gewaltherrscher darauf einigen, eine Demokratie zum Paria
zu machen, nützt auch die Mehrheit nichts – das Unterfangen bleibt unmoralisch
und eine Schande für die Weltorganisation. Es wird höchste Zeit, dass diese
unwürdige Veranstaltung, die natürlich auch vor allem von den USA bezahlt wird,
einer Liga der demokratischen Staaten Platz macht. Diesem Club wird dann zwar nicht
jeder angehören, aber Qualität geht vor Quantität. Es ist nicht einzusehen,
dass Burkina Faso, Bhutan und Somalia darüber entscheiden dürfen, ob ein
militärischer Feldzug im Libanon oder Gaza berechtigt ist oder nicht. Israel
ist ein souveräner Staat, der einzige ironischerweise, dessen Gründung die
Legitimation der UN hat (bei den heutigen Mehrheitsverhältnissen undenkbar),
und er ist nicht ins Leben gerufen worden, damit andere über das Schicksal von Juden bestimmen.
Um ein Minimum an Glaubwürdigkeit beanspruchen zu können, müssten
die Vereinten Nationen auch die guten Gründe berücksichtigen, die Israel etwa
zum Gazakrieg bewogen oder dazu, auf dem Prinzip Land für Frieden (die berühmte
Resolution 242!) zu bestehen. Dies tun sie nicht, und daher sind ihre
einseitigen Verurteilungen ausgerechnet Israels lächerlich und gottlob auch
nicht bindend. Die automatische Mehrheit gegen den jüdischen Staat hat sich
moralisch längst selbst disqualifiziert.
„Niemand leidet so wie die Palästinenser“
Unfug. Diese Behauptung ist geradezu obszön. Zig
Millionen Flüchtlinge weltweit leiden wirklich, es fehlt ihnen am nötigsten,
und sie haben nicht die Möglichkeit, ihr Los durch
Kompromissbereitschaft von heute auf morgen zu verbessern. Es gibt ein
UNFlüchtlingshilfswerk für alle Flüchtlinge weltweit und ein zweites für die
Palästinenser allein (UNRWA). Sie sind auch die einzigen, die ihren Flüchtlingsstatus
weitervererben dürfen, und die einzigen, bei denen alles getan wird, damit sie
weiter Flüchtlinge bleiben. Für ihren Unterhalt und ihre Ausbildung zahlt die
Weltgemeinschaft; den Löwenanteil trägt das gern verteufelte Amerika, die teils
steinreichen arabischen Staaten, deren Lippenbekenntnisse für die palästinensische
Sache zahlreich sind, tragen weniger als 5 Prozent zum UNRWA-Haushalt bei. Anders
als die 650.000 Juden, die aus arabischen Ländern vertrieben wurden, sind die
palästinensischen Flüchtlinge nirgendwo außer in Jordanien integriert worden.
Vergleichsweise elend leben die Palästinenser im Libanon, während es in Israel
kein einziges „Flüchtlingslager“ gibt. Die Araber dort, die 1948 nicht flohen,
sind israelische Staatsbürger.Selbst im „blockierten“ Gazastreifen ist das Leben
alles andere als die Hölle. Das Westjordanland, wegen der verbesserten
Sicherheitslage von hunderten Checkpoints erlöst, boomt (Wachstum 2009: 8
Prozent), und wer sich in Jenin, Bethlehem und vor allem Ramallah umschaut, mag
vieles sehen, aber gewiss keine „humanitäre Katastrophe“. Das ist ein billiger
Kampfbegriff aus dem Arsenal antiisraelischer Propagandisten,
mehr nicht.
„Jerusalem muss Hauptstadt beider Staaten werden“
Keineswegs. Zum einen wäre dies ein weltgeschichtliches
Novum. Warum sollte das ausgerechnet am brisantesten Ort des Planeten gelingen?
Jerusalem war nie Hauptstadt eines arabischen Staates – selbst unter
jordanischer Herrschaft nicht – und ein Staat Palästina könnte auch mit einer
Kapitale Ramallah leben. Oder Abu Dis. Jerusalem ist unter israelischer
Verwaltung zu einer blühenden, beeindruckenden Metropole geworden und nach
Jahrhunderten der Verwahrlosung überhaupt erst seitdem wieder von Bedeutung.
Die Juden werden mehr, die Araber werden sogar noch mehr (und nicht weniger!),
und die Stadt ist lebenswert für alle ihre Bewohner. Nur Israel garantiert den
freien Zugang zu den Heiligen Stätten aller Religionen. Zwischen 1948 und 1967
wurde Juden der Zugang zur Westmauer verwehrt, und die Palästinenser würden es
nicht anders halten als die Jordanier. Sie leugnen heute jeden historischen
Bezug der Juden zu Jerusalem, und schon deshalb kommt ihre Kontrolle über die
Stadt nicht infrage, wäre eine Katastrophe für alle Bewohner, ob Juden oder
Araber. Was die Teilung einer Stadt betrifft, so könnten die Bürger Berlins
einiges über deren Auswirkungen sagen. Sehnt sich wirklich irgendjemand nach
Mauer und Stacheldraht zurück? Vielleicht diejenigen, die sich über den Bau von
einigen Wohneinheiten im Stadtteil Gilo aufregen können, während ein Massaker
im Kongo sie kaltlässt; diese müssen sich gewisse Rückschlüsse auf ihr
Verständnis von Menschenrechten gefallen lassen. Eine Rückkehr zum status
quo ante würde jedenfalls nirgendwo so kontraproduktiv sein wie in
Jerusalem. „Wat fott es, es fott!“, pflegt der rheinische Volksmund salopp zu
sagen. Und genau so ist es.
„Nur durch einen Palästinenserstaat bekommt Israel dauerhaft Sicherheit“
Mitnichten. Das Gegenteil dürfte der Fall sein – jedenfalls
wenn die Palästinenser einen Staat bekämen, der weiter Ansprüche stellt, der sich
bis an die Zähne bewaffnen und mit Israel feindlich gesinnten Staaten verbünden
darf. Dann ist der nächste Waffengang nur eine Frage der Zeit – mit für Israel
extrem schwer zu verteidigenden Grenzen, zumal wenn die PLO oder gar die Hamas
auf den Höhenzügen über der Küstenebene sitzen würde. Ein Albtraum, der weder
Israelis noch Palästinensern etwas Gutes brächte. Daher besteht die Regierung
Netanyahu mit Recht auf Vorkehrungen, die diese gruselige Option ausschließen.
Wer die Palästinenserführung in ihrer Alles-oder-Nichts-Haltung bestärkt, kann
keinen Frieden wollen. Schaut man sich die erste Reihe der vorgeblichen Palästinenserfreunde
an, ist das auch kein Wunder. Hinzu kommt die begründete Sorge, dass der
Palästinenserstaat wie fast alle arabischen Staaten aussehen wird, mutmaßlich
noch bedenklicher: Ob von Fatah oder Hamas beherrscht, dieser Staat wird keine
Demokratie sein, dazu bedürfte es nicht nur „freier“ Wahlen, sondern
demokratischer Parteien, und das sind sie beide nicht. Khaled Abu Toameh, ein
arabischer Journalist, der für die Jerusalem Post arbeitet,
vergleicht sie zu Recht mit zwei rivalisierenden Gangsterbanden, die ihre
Machtkämpfe auf dem Rücken der Bevölkerung austragen. Die Wahrscheinlichkeit,
dass Palästina ein weiterer failed state wird, den die
Welt nicht braucht, ist extrem hoch. Solch ein Staat wäre eine Gefahr für seine
eigenen Bürger und natürlich auch für seine Nachbarn. Man erinnere sich an die destabilisierende
Rolle, welche die PLO Arafats in Jordanien und im Libanon spielte.
„Wenn der israelischarabische Konflikt gelöst ist, herrscht Ruhe im Nahen Osten“
Reines Wunschdenken. Die Muslimbruderschaft und damit
der politische Islam mit seinem dschihadistischen Programm ist älter als der
Nahost-Konflikt, und wenn Bin Ladens Al-Qaida in New York und Washington
Wolkenkratzer und ein Ministerium angreift, wenn in Pakistan, Indien,
Afghanistan, Irak, Marokko, Ägypten, Indonesien, Jemen und anderen Ländern
Islamisten blutige Anschläge verüben, hat das mit Israel und dem, was es tut
oder unterlässt, nichts, aber auch gar nichts zu tun. Ebensowenig der
Westsaharakonflikt, der Völkermord im Sudan, der Krieg Ägyptens im Jemen Mitte
der 60er- Jahre, der Bürgerkrieg in Libanon ab Mitte der 70er-Jahre, der Machtkampf
zwischen PLO und Jordaniens König Hussein, der Krieg Iraks gegen Iran, gegen
die Kurden, gegen Kuweit, der Krieg in Afghanistan et cetera et cetera. Die
Region ist, wie sie ist, und das liegt ganz sicher nicht an einem
20.000-Quadratkilometer-Staat, der sich dort seit 60 Jahren seiner Haut
erwehren muss. Ein ganz schlechter Witz ist das.