Ehrenpreis 2005

für


Iris Berben

Unermüdlich und engagiert ist sie als „Gerechte“ aktiv
Iris Berben: Berührende Lesung mit Rufen aus dem „Land des Schweigens".

Erstmals Ehrenpreis der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.
VON UNSERER MITARBEITERIN CRIT SCHORN

AACHEN. Der graue Monolith auf der Bühne zieht die Blicke im Ballsaal des alten Kurhauses an - fast unauffällig bleibt hingegen zunächst die Preisträgerin dieses Abends: Iris Berben. Im dunklen Kostüm sitzt sie ruhig in der ersten Reihe und hört aufmerksam zu. Dem herzlichen Grußwort von Bürgermeisterin Astrid Ströbele folgt die kraftvolle Laudatio von Ilan Mor, Gesandter der israelischen Botschaft in Berlin, der nicht nur das beispielhafte Engagement der bekannten Schauspielerin pries - ein seit vielen Jahren bestehendes Engagement für Toleranz, für Israel und gegen Rechtsradikalität, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus - sondern auch charmant die Schönheit und Ausstrahlung der beliebten Iris Berben

Ehre für Iris Berben: Die Schauspielerin nahm den Ehrenpreis-Pokal aus den Händen von Axel Holst, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Aachen, entgegen.
Foto: Ralf Röger

Künstlerin hervorhob. Ilan Mor verwies auf die „lange Liste von Auszeichnungen", die die 55-Jährige inzwischen erhalten hat: Darunter auch das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, den Leo-Baeck- Preis (die höchste Auszeichnung des Zentralrats der Juden) und den Scopus Award der hebräischen Universität Jerusalem.Vor allem aber sei sie eine „Gerechte", eine Bezeichnung die bereits im Talmud auftaucht. Also jemand, der, bildlich gesprochen,durch tätige Hilfe für einen Menschen ganz viele errettet. Immer wieder zeige sie Präsenz, sei unermüdlich tätig auch in Lesungen und politischen Veranstaltungen. Anders als manche Medien", so der Gesandte,die „häufig Zerrbilder" von Israel verbreitet hätten, trete sie unbeirrt für den üdischen Staat ein und für gute deutsch-israelische Beziehungen.

Nichts über NS-Zeit

Die Schauspielerin, die bereits 1967 aufgrund des Sechs-Tage-Krieges nach Israel reiste, lebt mit ihrem jüdischen Lebensgefährten Gabriel Lewy seit 28 Jahren in Deutschland und zeitweise auch in Tel Aviv. „Ich kam aus einem Land des Schweigens",schrieb Berben später über ihr eigenes Land, in dem zu ihrer Schulzeit fast nichts über NS-Zeit und Holocaust zu erfahren war. Bescheiden nahm die Schauspielerin den Ehrenpreis-Pokal aus den Händen von Axel Holst entgegen, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Aachen.

Die Auszeichnung wird zum ersten Mal verliehen. Das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro geht an das israelische Rote Kreuz. In ihrem Dankeswort gab Iris Berben der Hoffnung Ausdruck, dass es künftig ein Miteinander gebe, das „auch solche Auszeichnungen überflüssig macht." Es folgte die von Carlo Rola inszenierte Lesung, die „Tischgespräche aus dem Führerhauptquartier" und „Aufzeichnungen von Holocaust-Opfern" gegenüberstellen. Sehr berührend die Vortragskunst der Schauspielerin, die die kaltschnäuzige Hybris Adolf Hitlers, seine wahnwitzigen Großmacht-Träume und seinen ungehemmten Vernichtungswillen ebenso offenbar werden lässt wie die unvorstellbaren Zustände in Lagern wie Ravensbrück, wo viele Schwangere und Mütter mit Säuglingen untergebracht waren. Die multimediale Lesung zeigte in erschütternder Weise, dass trotz aller Bestialität und Grausamkeit so etwas wie Menschlichkeit möglich war - auf Seiten der Opfer.



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