NS-Gedenkprojekt soll im neuen Jahr endlich fertiggestellt werden

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NS-Gedenkprojekt soll im neuen Jahr endlich fertiggestellt werden
„Wege gegen das Vergessen“: Auch das Justizzentrum erhält jetzt eine Tafel

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16.12.2017

NS-Gedenkprojekt soll im neuen Jahr endlich fertiggestellt werden

„Wege gegen das Vergessen“: Auch das Justizzentrum erhält jetzt eine Tafel

Von Gerald Eimer

Aachen. Vor knapp einem Vierteljahrhundert wurde die Idee für das Gedenkprojekt „Wege gegen das Vergessen“ geboren, nun zeichnet sich endlich die Fertigstellung ab. Die letzte der insgesamt 44 Gedenktafeln im Stadtgebiet soll – sofern die Finanzierung sichergestellt werden kann – im kommenden Jahr aufgestellt werden. Dies stellt Holger A. Dux in Aussicht, der als pädagogischer Mitarbeiter der Volkshochschule (VHS) im Bereich Politik und Geschichte heute auch die „Wege gegen das Vergessen“ betreut.

Einen derart mühseligen und langwierigen Weg werden sich die ersten Initiatoren kaum vorgestellt haben, als sie Mitte der 1990er Jahre ihre Wünsche nach einem Mahnmal für die Opfer der Nazi-Diktatur in Aachen an Politik und Verwaltung herangetragen haben. Daraus entwickelte sich im Laufe weiterer Jahre die Idee, eine „dezentrale NS-Gedenkstätte“ zu schaffen und auf Tafeln im gesamten Stadtgebiet an Orte zu erinnern, an denen einst Unrecht geschah und staatlich organisiert schwere Verbrechen begangen wurden. Ein Denkmalweg wurde geschaffen mit Tafeln, auf denen mit wenigen Worten an den braunen Terror gegen Juden und Andersdenkende erinnert wird. Er ist zugleich Mahnung, so etwas nie wieder zuzulassen.

Doch so sachlich und nüchtern die Texte auch erscheinen mögen – unumstritten waren sie nie, wie sich bereits beim Streit um Formulierungen auf der ersten Tafel zeigte, die im Oktober 2001 am Rathaus angebracht wurde. Vor allem Vertreter der CDU sorgten sich damals, dass ihre katholische Vorgängerpartei Zentrum und auch die Stadt Aachen in ein zu schlechtes Licht gerückt werden könnten. Die Tafel erinnert unter anderem daran, dass der Rat 1933 Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft der Stadt Aachen andiente.

Viele Jahre musste auch die Tafel auf Halde liegen, die voraussichtlich im Frühjahr endlich am Justizzentrum angebracht werden kann. Auch dort hatten sich Vertreter des Justizapparates an Formulierungen gestört. Nunmehr habe man sich einigen können, konnte Dux am Donnerstag im VHS-Betriebsausschuss mitteilen, was insbesondere SPD-Ratsfrau Sibylle Reuß begrüßte. Gerade „dieser Fleck“ hätte nicht länger freibleiben dürfen, sagte sie.

„Während des nationalsozialistischen Regimes wurden politisch unliebsame und jüdische Richter, Staatsanwälte und andere Bedienstete entlassen und durch angepasste und regimetreue ersetzt, um die nationalsozialistische Herrschaft durchzusetzen und zu sichern“, wird auf der Tafel stehen, die sich derzeit in der Produktion befindet und dann zügig aufgehängt werden soll. Der zunächst geplante Satz „‚Rechtsprechung erfolgte seitdem weitgehend auf der Grundlage der nationalsozialistischen Ideologie“ wird nicht zu lesen sein.

Sieben Standorte fehlen noch

Für sieben weitere Tafeln, die unter anderem auch auf Stelen montiert werden, müssen laut Dux noch die Besitzverhältnisse der jeweiligen Aufstellflächen geklärt werden. Es geht um die noch fehlenden Standorte an der Försterstraße, am Gut Entenpfuhl sowie an Raerener, Horbacher, Vaalser, Lütticher und Eupener Straße. Damit wäre die dezentrale Gedenkstätte vollständig.

Beendet ist die Arbeit dennoch nicht, wie insbesondere Matthias Fischer für die Linke deutlich machte. Er wünscht sich die Einstellung einer pädagogischen Kraft, die etwa auch Begleitmaterialen für Schulen bereitstellen und Lehrer in ihrer Arbeit unterstützen kann. Nützlich wäre dies auch für das Projekt „Stolpersteine“ des Kölner Künstler Gunter Demnig, das ebenfalls der VHS zugeordnet wurde. Mit in den Bürgersteigen eingelassenen „Stolpersteinen“ wird an den einstigen Wohnorten ebenfalls an Opfer der NS-Zeit erinnert.

Noch aber scheint es keine Bereitschaft zu geben, Geld für eine zusätzliche halbe Stelle bereitzustellen.

Alle Infos zum Gedenkprojekt:

www.wgdv.de

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