„Die Spuren jüdischen Lebens in Eilendorf“

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05.12.2017

Die aktuelle Ausgabe der Eilendorfer Heimatblätter widmet sich einem schwierigen Thema

Von Peter Langohr

Eilendorf. Mit einem ausgesprochen schwierigen Thema haben sich Hubert Beckers und Karl Reinhard, die beiden Autoren des 32. Bandes der Heimatblätter des Heimatvereins Eilendorf (HVE), auseinandergesetzt. Unter dem Titel „Spuren jüdischen Lebens in Eilendorf“ legen sie ein Werk mit nahezu 300 Seiten im DIN-A4-Format vor. Schwierig war dabei nicht nur die Auseinandersetzung mit dem oft sehr lückenhaften Quellenmaterial, sondern auch die Spiegelung der furchtbaren Ereignisse des Holocausts in der Heimatgeschichte Eilendorfs.

Gut 100 Gäste waren zur Präsentation des Doppelbandes der Heimatblätter in die Filiale der Sparkasse Aachen an der Von-Coels-Straße gekommen, wo sie zunächst vom Hausherren, dem Geschäftsstellenleiter Thomas Emundts, begrüßt wurden. Bezirksbürgermeisterin Elke Eschweiler betonte die Bedeutung des Heimatvereins für die Erforschung der Geschichte Eilendorfs. Zur aktuellen Ausgabe der Heimatblätter sagte sie: „Wir können unsere Eltern und Großeltern fragen. Aber wen befragen die nachfolgenden Generationen zu dieser schwierigen Zeit?“ Friedrich Thul, Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde Aachen, hob hervor, dass es beeindruckend sei, wie akribisch das Leben der jüdischen Gemeinde Eilendorfs aufgezeichnet worden ist. Wichtig sei heute, sich aktuellen Entwicklungen entgegenzustellen, in denen rassistische und antisemitische Tendenzen erkennbar seien.

Helmuth Kind, der Vorsitzende des HVE, setzte sich in einem Referat mit der Entstehungsgeschichte des Werks auseinander. Zuvor dankte er jedoch dem Landschaftsverband Rheinland, der Sparkasse Aachen, vertreten durch ihren Gebietsdirektor Andreas Kreitz, sowie der VR Bank für die finanzielle Unterstützung des aufwendig gestalteten Buches. Sein besonderer Dank galt natürlich den beiden Autoren.

Geschichte reicht weit zurück

Die Geschichte der Entstehung der „Spuren jüdischen Lebens in Eilendorf“ reicht weit zurück, bis in die Zeit vor der Gründung des Heimatvereins im Jahre 1983. Damals hatte bereits Hubert Beckers in der 1981 im Eigenverlag erschienenen Schrift „Eilendorfer Flurdenkmäler“ über seine Forschungen zum jüdischen Friedhof am Bayerhaus berichtet. Auch nach der Gründung des HVE blieb das Thema zunächst auf der Tagesordnung. „Fünf Jahre lang“, sagte Helmuth Kind, „veröffentlichte der HVE die recherchierten Beiträge seines Arbeitskreises. Das gefiel nicht jedem. Es gab Ärger. Und 1988 gab der Vorsitzende Willi Ostlender entnervt auf. Erst im Rahmen der Veröffentlichung der Datensammlung von Hubert Beckers zur Geschichte Eilendorfs 2007/2008 setzte der HVE das Thema erneut auf die Agenda.“

Hubert Beckers und Karl Reinard sei es zu verdanken, dass aufgrund der bereits erfolgten Recherchen und eigener weiterer Nachforschungen von Karl Reinard der jetzt vorliegende 32. Band der Heimatblätter erstellt werden konnte, der zum ersten Mal eine umfassende Übersicht über das Schicksal der jüdischen Einwohner Eilendorfs in den Jahren von 1933 bis 1945 biete, betonte Helmuth Kind. Enthalten seien alle Hinweise zu den jüdischen Familien in Eilendorf, die derzeit greifbar sind wie Bilder, Urkunden, amtliche und sonstige Dokumente.

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