Was weiß man schon über Juden

31.07.2017

Was weiß man schon über Juden

Das Phosphor-Theater zeigt Jean-Claude Grumbergs Komödie „Entweder … oder?“ über Vorurteile, Antisemitismus und kulturelle Identitäten in deutscher Uraufführung. Premiere am 12. August.

Von Eva Onkels

Aachen. Jean-Claude Grumbergs Theaterstück „Entweder … oder?“ ist gewiss eines nicht: politisch korrekt. Das wird spätestens dann klar, wenn man sich die wortwörtliche Übersetzung des französischen Titels „Pour en finir avec la question juive“ (Die endgültige Klärung der Judenfrage) ansieht. Wer allerdings die ersten paar Minuten des rund 80 Minuten dauernden Stückes verfolgt, erkennt schnell, dass dieser Titel tatsächlich ironisch-satirisch, bissig und gleichzeitig witzig gemeint ist.

„Entweder … oder?“ ist eine Komödie, eine Auseinandersetzung mit Interkulturalität und auch ein Aufruf zum Dialog der Kulturen und viel wichtiger: der Menschen. Bei der Produktion des Phosphor-Theaters handelt es sich um die deutsche Uraufführung des Stückes.

In einem ganz normalen Mehrfamilienhaus irgendwo in Paris begegnen sich Person A (Hans-Jürgen Helsig) und Person B (Raphael Fachner), die schon lange Nachbarn sind. „Sind Sie Jude?“, diese Frage stellt A eines Tages aus heiterem Himmel im Hausflur Person B. Befremdlich, diese Frage, und noch befremdlicher, dass A wirklich nichts darüber weiß, was das Judentum ist.

So dauert es eine ganze Weile, bis er erkennt: das Judentum ist eine Glaubensgemeinschaft. Noch verwirrter ist er, als B ihm dann erklärt, dass er zwar Jude, gleichzeitig aber Atheist ist. Dass er Franzose ist, Käse liebt und den Konflikt mit den Palästinensern lieber heute als morgen friedlich beilegen würde. Vieles ist für A zunächst unverständlich, plappert er doch lieber all das nach, was seine Frau im Internet über „die Juden“ liest.

Regisseur und Darsteller Raphael Fachner beschäftigt sich seit gut einem Jahr mit dem Stück. „Ich habe es zum ersten Mal gelesen und laut gelacht. Dann habe ich es zum zweiten Mal gelesen – und immer noch lachen müssen“, erzählt er. „Das Stück ist brachial ehrlich in seiner politischen Unkorrektheit“, so Fachner.

Das Stück thematisiert den Antisemitismus, den Nahostkonflikt und auch den Holocaust, ohne etwas zu verharmlosen. Stattdessen geht es um den Dialog, in den das Publikum eintreten soll: in den Dialog mit anderen Menschen, aber auch mit sich selbst: Welche Vorurteile habe ich selbst noch? Welche Vorurteile gibt es in der Gesellschaft um mich herum? Welchen Vorurteilen bin ich schon begegnet?

Antworten hält es allerdings nicht bereit, und gerade das findet der Regisseur „erfrischend“. „Bildet euch endlich eine eigene Meinung“, dass sei eine Botschaft des Stücks, so Fachner.

Das größte Problem im Vorfeld hatte indes wenig mit dem Stück zu tun: aufgrund von Krankheit kann der eigentlich geplante Darsteller der Person A – Stefan Peters – nicht auftreten. Helsig sprang ein. Nun müssen zwar drei geplante Aufführungen im September ausfallen, allerdings sei Helsig als Person A auch die Besetzung, die sich Fachner anfangs gewünscht hatte. Beide spielen mit einer tiefgreifenden Intensität und lassen glaubwürdige Figuren entstehen, die zwar überspitzen, aber an manchen Stellen doch fast schmerzhaft nah an dem sind, was man im Internet in einschlägigen Foren lesen kann.

Vorerst gibt es nur

zwei Aufführungen

„Entweder …oder?“ hat am Samstag, 12. August, um 20 Uhr in der Klangbrücke Premiere. Eine weitere Vorstellung gibt es dort am Samstag, 19. August. Karten (16/10/5 Euro) gibt es beim Phosphor-Theater (☏ 0151/57937563) und beim Klenkes-Ticketverkauf. Die für September geplanten Vorstellungen entfallen.

Artikel aus AN vom 31.07.2017

Michaela Engelmeier: Tendenziös und reißerisch – Die Israel-Berichterstattung in Deutschland weist große Lücken auf – auch bei Qualitätsmedien

Auf verschiedenen Nachrichtenportalen finden sich Überschriften wie »Israelische Sicherheitskräfte erschießen vier Palästinenser«. Die Information, dass diese Palästinenser zuvor in einem terroristischen Akt fünf Israelis, drei Polizisten und zwei Zivilisten, mit Messern angegriffen haben, kommt erst später im Text.

http://honestlyconcerned.info/links/michaela-engelmeier-tendenzioes-und-reisserisch-die-israel-berichterstattung-in-deutschland-weist-grosse-luecken-auf-auch-bei-qualitaetsmedien-juedische-allgemeine/